Vernissage: Kommst du rein? - „Raumordnung 2“

  • Ausstellung
  • Vernissage
Die Kunsthalle Osnabrück eröffnet den zweiten Teil ihres Jahresthemas „Raumordnung". Eröffnet werden zwei neue Einzelausstellungen von Andrea Pichl und Simone C Niquille. Der zweite Teil des Ausstellungs- und Vermittlungsprogramms „Raumordnung" beschäftigt sich verstärkt mit dem architekturgeschichtlichen und dem digitalen Raum.

Am Samstag, 7. November 2026, um 17 Uhr, eröffnet die Kunsthalle Osnabrück den zweiten Teil ihres Jahresthemas „Raumordnung“. Eröffnet werden zwei neu produzierte Einzelausstellungen von Andrea Pichl und Simone C Niquille. Nach den Eröffnungsreden um 17 Uhr und einem Sektempfang bietet das Kunstvermittlungsteam der Kunsthalle Osnabrück ab 18:30 Uhr Kurzführungen zu den neuen Ausstellungen an. Bereits ab 16 Uhr lädt das Vermittlungsteam zu einem besonderen Kinderprogramm für Familien ein: mit einer Reise durchs Weltall und Führungen extra für Kinder.

Der zweite Teil des Ausstellungs- und Vermittlungsprogramms „Raumordnung“ beschäftigt sich verstärkt mit dem architekturgeschichtlichen und dem digitalen Raum. Andrea Pichl untersucht in ihrer künstlerischen und forschungsbasierten Praxis die Verschränkungen von gebautem und gesellschaftlichem Raum. In ihrer Einzelausstellung im Kirchenschiff der Kunsthalle beschäftigt sie sich anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Osnabrücker Planetariums mit dessen fast vergessenen Geschichte. Simone C Niquille untersucht in einer künstlerischen und transdisziplinären Praxis die digitalen Werkzeuge, die unsere physische Welt zunehmend prägen. Für die Einzelausstellung im Kreuzgang der Kunsthalle präsentiert Niquille die Video-Installation „Beauty and The Beep“. Die Arbeit erforscht den Einfluss von Bildtrainingsdatensätzen und computergenerierten Bildern auf unsere Wahrnehmung von Raum, Körper und Realität.

Das Ausstellungsprogramm wird ergänzt durch ein umfangreiches Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm für alle Altersgruppen. Anlässlich der Ausstellung von Andrea Pichl wurde ein spezifisches Begleitprogramm in Kooperation mit dem Planetarium Osnabrück im Museum am Schölerberg und dem Verein für Baukultur kuratiert. Ein Programmheft informiert über alle Veranstaltungen im Detail. Erhältlich in der Kunsthalle, an gängigen Auslagestellen in Osnabrück oder online auf der Website der Kunsthalle Osnabrück.

Das Jahresprogramm „Raumordnung“ wird gefördert durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Friedel und Gisela Bohnenkamp Stiftung, die Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur, Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung und die Freunde der Kunsthalle Osnabrück e.V. Das Kinderprogramm zu den Eröffnungen wird von der VGH Stiftung gefördert.

Die Pressebilder zu den Arbeiten können im Pressebereich der Kunsthalle Osnabrück heruntergeladen werden. 

Andrea Pichl
„The Dream Before“
Einzelausstellung im Kirchenschiff
07.11.2026–21.02.2027

Andrea Pichl untersucht in ihrer künstlerischen und forschungsbasierten Praxis die Verschränkungen von gebautem und gesellschaftlichem Raum. Alltagsarchitekturen und bauliche Strukturen aus dem öffentlichen Raum werden dabei für die Künstlerin zum Untersuchungsgegenstand und zum Träger eingeschriebener deutsch-deutscher Geschichte. Als gebaute Ordnungen sprechen die von Pichl bearbeiteten Architekturen von Ideologie, Machtverhältnissen und ökonomischen Abhängigkeiten. Ihre Installationen und Skulpturen entstehen dabei immer entlang einer intensiven Recherche- und Archivarbeit.

Ausgangspunkt der Einzelausstellung ist das 40-jährige Bestehen des Planetariums im Museum am Schölerberg, dem Naturkundemuseum Osnabrücks. 1986 wurden Projektionskuppel, Sternenbildprojektoren und Sitzmobiliar beim DDR-Kombinat VEB Carl Zeiss Jena in Auftrag gegeben. Die besondere Gipsschalenkuppel entstand nach einem neu entwickelten Verfahren des Ingenieurbüros Ulrich Müther aus Rügen. Bauprojekte wie dieses waren Teil eines weitreichenden internationalen Handels, der der DDR dringend benötigte Devisen einbrachte. Architekturexporte wie das Osnabrücker Planetarium wurden damit zu einem wichtigen Instrument wirtschaftlicher Interessen und politischer Macht, die auch die Stabilisierung der DDR gewährleisteten.

Ihre Recherchen hat Andrea Pichl in eine Rauminstallation für das Kirchenschiff der Kunsthalle Osnabrück übersetzt. Dazu greift sie mit drei Nachbildungen von Buswartehäuschen der 1970er und 1980er Jahre skulptural einen weiteren Bautypus aus der Architekturgeschichte der DDR auf. In den Wartehäuschen sind drei unterschiedliche Audiostücke zu hören: Rechercheergebnisse und Fragmente aus Archivmaterialien skizzieren die Geschichte der Zeiss-Planetarien in globalen, politischen und ökonomischen deutsch-deutschen Konstellationen, die bis heute nachwirken. Sie rücken zum Beispiel die bislang wenig beachtete Beteiligung von Gertrud Schille als verantwortliche Architektin für die Planetarienbauten in den Blick. Oder die kaum erzählte Geschichte der Zwangsarbeit politischer Gefangener, die nachweislich auch für den VEB Zeiss Jena fertigten.

Mit „The Dream Before“ macht Pichl deutlich, wie scheinbar periphere Räume und Architekturen in größere historische Bewegungen eingeschrieben sind. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf einen Song von Laurie Anderson, der sich an die Antwort des Philosophen Walter Benjamin auf die Frage „Was ist Geschichte?“ anlehnt. In „Über den Begriff der Geschichte“ (1940) verwendet Benjamin den Engel aus Paul Klees Zeichnung „Angelus Novus“ (1920) als Metapher dafür, wie sich Geschichte verhält. Er beschreibt, wie der Engel rückwärts unaufhaltsam von der Zeit in die Zukunft getrieben wird, während sich die Trümmer der Geschichte stetig unter ihm auftürmen. Das Vergangene wirkt fort und schreibt sich in die Gegenwart ein.

Andrea Pichl (DE) ist Künstlerin und lebt und arbeitet in Berlin. Sie studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee und am Chelsea College of Art & Design in London. Zu ihren jüngsten Einzelausstellungen zählen Präsentationen in der Kunsthalle Vogelmann, Heilbronn (2026), in der Galerie Pankow, Berlin (2025) und im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin (2024). An Gruppenausstellungen war sie unter anderem in der Konschthal Esch, Luxemburg, der Kunststiftung DZ-Bank, Frankfurt/Main, im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart (alle 2026), im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst, Berlin (2025), und in der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin im Bundesfinanzministerium, Detlev-Rohwedder-Haus (Leihgabe, 2024), beteiligt. 2023 installierte sie eine permanente Arbeit im öffentlichen Raum der Kunsthalle Rostock. 2022 kuratierte sie „Worin unsere Stärke besteht. Fünfzig Künstlerinnen aus der DDR“ im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin; 2025 setzte sie das Projekt im Schloss Biesdorf, Berlin, fort. 2026 erhielt sie den Ernst Franz Vogelmann-Preis für Skulptur. Derzeit lehrt sie an der Universität der Künste Berlin als Gastprofessorin.

Simone C Niquille
„The Wonderful World of Chair“
Einzelausstellung im Kreuzgang
07.11.2026–21.02.2027

Simone C Niquille untersucht in einer künstlerischen und transdisziplinären Praxis die digitalen Werkzeuge, die unsere physische Welt zunehmend prägen. Dabei richtet Niquille den Blick insbesondere auf Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, des maschinellen Lernens und der Computer Generated Imagery. In Videoarbeiten, Installationen und recherchebasierten Projekten analysiert Niquille kritisch und spielerisch, wie normative Körper- und Lifestyle-Vorstellungen durch digitale Werkzeuge reproduziert und verfestigt werden.

Für die Einzelausstellung „The Wonderful World of Chair” führt Simone C Niquille die Ergebnisse einer fortlaufenden künstlerischen Forschung zum Einfluss von Bildtrainingsdatensätzen und computergenerierten Bildern auf unsere Wahrnehmung von Raum, Körper und Realität für den Kreuzgang der Kunsthalle zusammen. Mit der Video-Installation „Beauty & the Beep“ wird das aktuellste filmische Kapitel dieser Forschung präsentiert. Ergänzt wird die Ausstellung durch kinetische Skulpturen, installative Arrangements und digitale Studien.

Hauptfigur in „The Wonderful World of Chair“ ist der IKEA-Stuhl Bertil, das erste Möbelstück, das im Jahr 2006 als vollständig gerendertes Bild im IKEA-Katalog erschien. Bertil verweist auf einen Wendepunkt in der Bildproduktion: Bis dahin wurden sämtliche Abbildungen von Möbeln und Wohnarrangements gebaut und fotografiert. Heute hat IKEA eine umfassende digitale Bilddatenbank mit zehntausenden Produkten aufgebaut. In unserer Gegenwart können wir oftmals nicht mehr zwischen digital produzierten und realen Bildwelten unterscheiden.

Mit „The Wonderful World of Chair” lässt uns Simone C Niquille in die Welt von Bertil eintreten und mehr über den Kontext digitaler Werkzeuge und ihren gesellschaftlichen Einfluss erfahren. Im ehemaligen Kreuzgang werden die Besucher:innen spielerisch an einen Ort voller künstlerischer Referenzen auf Häuslichkeit geleitet. So wird der Kreuzgang selbst zum Testfeld einer Frage, die im Zentrum von „The Wonderful World of Chair” steht: Was passiert, wenn Systeme beginnen, unsere Vorstellung von Zuhause zu entwerfen? Und dabei an der Wirklichkeit des Lebens scheitern?

Simone C Niquille (CH/NL) ist Künstler:in, Designer:in und Forscher:in und lebt und arbeitet in Amsterdam. Niquille studierte Grafikdesign an der Rhode Island School of Design und Design am Sandberg Instituut, Amsterdam. Das Studio technoflesh ist Niquilles Forschungsplattform. Zu den jüngsten Ausstellungen zählen die Einzelpräsentation „duckrabbit.tv“ bei Aksioma, Ljubljana (2026), sowie Beteiligungen an den Gruppenausstellungen „The Lure of the Image“ im Fotomuseum Winterthur (2025) und „Poetics of Encryption“ bei KW Institute for Contemporary Art, Berlin (2024). Seit 2025 forscht Niquille als Doktorand:in im Graduiertenprogramm ARTILACS an der HFBK Hamburg in der Klasse Digitale Grafik. Darüber hinaus lehrt Niquille an der Design Academy Eindhoven und der Amsterdam Academy of Architecture.

Terminübersicht

Gut zu wissen

Veranstaltungsort

Kunsthalle Osnabrück
Hasemauer 1
49074 Osnabrück

Autor:in

Tourismusgesellschaft Osnabrücker Land mbH
Herrenteichsstraße 17+18
49074 Osnabrück