Jan Röhnert: Wildnisarbeit

Lesung
Musik sonstige
Natur und Umwelt
Wildnis – für die einen hoffnungslos romantische Projektion auf die zum Erholungsgebiet, Baugrund, Rohstofflieferanten degradierte Natur; für die anderen letzte Hoffnung, daß ein entwildertes Europa sich in einem Akt totalen rewildings seelisch-moralisch regeneriere. Träumern und Verächtern entgeht gleichermaßen, daß Wildnis ein Arbeitsbegriff ist, der weniger einem Zustand als vielmehr Prozessen gilt, einem vitalen Ermöglichungsraum des weder Plan- noch Vorhersehbaren. Hier berührt sich das Nature Writing mit handfestem Tun von ökologischen Protestformen bis zur intensiv extensiven Landschaftspflege. 

Wildnisarbeit wurde nie vom Schreibtisch aus betrieben; deshalb begeben sich die drei Teile des Essays in die letzten Leipziger Brachen, in die wendländische Elbtalaue und auf den Ostthüringer Streuobsthang über dem verwilderten Sandsteinbruch des Autors. Bei seiner Wildnisarbeit begegnet Jan Röhnert Menschen und Werken, in denen das Tun Hand in Hand geht mit dem Schreiben von dem, was sich nur im Offenen ereignet. Röhnert kultiviert seine Orte wie er in der Landschaft Spuren liest und Sporen legt – eine Landschaft, die sich erst offenbart, wenn das Wilde in ihr zugelassen ist.

Auch unsere Erlebnislesung von "Wildnisarbeit" sucht einen ganz Ort zwischen Natur und Kultur in Osnabrück auf: den Wasserhochbehälter am Westerberg. Zusammen mit der Saxofonistin Katharina Betten stellt Jan Röhnert hier seinen Text mitten in eine der naturnahen Brachen, über die er schreibt und öffnet diesen ansonsten nicht immer zugänglichen Ort so auch der Öffentlichkeit. Der erste Teil findet auf dem verwilderten Dach des Wasserhochbehälters statt, für das finale geht es dann auf eine klanglich-lyrische Reise in die Betonspirale selbst hinein. Ein absolutes Erlebnis!

»Wildnisarbeit« ist ein poetischer Essay, der das zum modischen Anhängsel gewordene Nature Writing auf seine Grundvoraussetzung zurückführt: die Einheit von Ort, Schreiben, Tun. Ein ergänzender Traktat verankert schließlich das Nature Writing dort, wo es herkommt: bei der Natur und ihren Elementen – die es wie Wasser Steine Bäume wirklich gibt! Das so flüchtig wie genau Wahrgenommene wird Schrift, die Schrift wieder zum Tun, weil die Freude irdischer Resonanz zugleich ethischer Impuls des Bewahrens ist.

Jan Röhnert lebt in Leipzig und unterrichtet an der TU Braunschweig. 2003 wurde der Literaturwissenschaftler für Burgruinenblues mit dem Lyrikdebütpreis des Literarischen Colloquiums Berlin ausgezeichnet. Röhnert veröffentlicht nieben Lyrik auch Prosa wie Vom Gehen im Karst oder Karstwärts. 
Jan Röhnert ist der diesjährige Preisträger des Wilhelm-Lehmann-Preis für herausragende essayistische Prosa im Bereich des Nature Writing.  

Veranstalter: Kulturbehälter e.V. Osnabrück und Literaturbüro Westniedersachsen

Ort: Wasserhochbehälter am Westerberg, Gutenbergstraße

Kartenverkauf: Literaturbüro Westniedersachsen, Tel. 0541/202-7908 oder per Mail unter LitOs-info@osnabrueck.de

Terminübersicht

Gut zu wissen

Preisinformationen

Eintritt: 8 € / erm. 5 €

Veranstaltungsort

Wasserhochbehälter am Westerberg
Gutenbergstraße
49074 Osnabrück

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