Das Private ist Politisch - das Politische Privat? Queere Literatur heute.
Podiumsdiskussion und Lesung
Nicht erst seit ihrem Buch Meine Familie, die AfD und ich setzt sich die gebürtige Osnabrückerin Leonie Plaar mit der aktuellen gesellschaftlichen Situation auseinander. Mae Schwinghammer erzählt in alles dazwischen, darüber hinaus unter anderem vom Aufwachsen in der Arbeiter*innenklasse, von Fluidität der Geschlechter, von Sexualität, Liebe und Freund*innenschaft und von Autismus. Und Sonja M. Schultz widmet sich in Mauerpogo jugendlichem Aufbegehren und Identitätsfindung im Ostdeutschland der Achtziger Jahre. Gemeinsam werden die drei Autor*innen aus ihren Texten lesen und über gesellschaftliche und politische Fragen ins Gespräch kommen. Moderation: Leonie Plaar.
Die Veranstaltung ist Teil des Queeren Literaturfestivals Gay in May, dieses Jahr unter dem Thema Alles bleibt anders. Über Gesellschaften.
Leonie Plaar ist queer, politische Aktivistin, Historikerin – und Tochter eines AfD-Mitglieds. Fast alle ihrer nahen Verwandten wählen die Alternative für Deutschland. Bis sie die Reißleine zog und den Kontakt abbrach, hat sie deren Radikalisierungsprozess hautnah miterlebt. Sie hatte einen Platz in der ersten Reihe bei Gesprächen zwischen AfDler*innen, die dachten, sie wären unter sich. Über Jahre hinweg hat sie zugehört, analysiert, mitdiskutiert. Vor allem aber musste sie erleben, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Vater Teil einer Bewegung wird, die sich gegen alle Werte richtet, die Leonie verkörpert.
Leonie erzählt ihre eigene Geschichte hinter den Partei-Narrativen. Sie macht die Radikalisierung der letzten Jahre entlang ihrer persönlichen Familiengeschichte nachvollziehbar und legt die private Seite hinter der Radikalisierung der AfD und ihrer Mitglieder offen. Denn nichts ist so persönlich wie Politik.
Eine gesellschaftliche und politische Analyse und gleichzeitig die berührende Erzählung eines familiären Bruchs.
Leonie Plaar wurde 1992 in Osnabrück geboren und studierte Englisch, Geschichte und American Studies, ergänzt durch ein Zertifikat in Geschlechterforschung. Unter dem Namen Frau Löwenherz klärt sie online zu historischen Themen, Queerness und Feminismus auf, ihre authentische und mutige Stimme hat ihr eine große Reichweite eingebracht. Leonie arbeitet aber nicht nur aktivistisch, sondern ist auch freie Journalistin und berät Redaktionen sowie Unternehmen und Museen. Sie wohnt in Düsseldorf.
Maë Schwinghammer über das Verlangen – nach einer eigenen Sprache, dem eigenen Körper, einem eigenen Ich
Eindrucksvoll und poetisch schreibt Maë Schwinghammer von einer Suche nach Verständnis, an deren Ende ein gefundenes Ich steht; erzählt vom Aufwachsen in der Arbeiter*innenklasse, von Wurzeln in Österreich und Serbien, von der Fluidität der Geschlechter, von Sexualität, Liebe und Freund*innenschaft, von Autismus und der Annäherung an gewählte und ungewählte Familien. Ein schmerzhafter und zugleich heilsamer Roman. Ein Debüt, das beides ist: das Einfangen von Stille. Oder auch: das Weglassen von ebendieser.
Schwinghammer wurde 1993 geboren und ist in Wien-Simmering aufgewachsen, studiert Sprachkunst, schreibt außerdem Lyrik, Theaterstücke und Essays. 2022 erschien das Lyrikdebüt "covids metamorphosen", das sich den gesellschaftlichen und persönlichen Transformationen widmet, die in Zeiten einer globalen Pandemie stattfinden. "Alles dazwischen, darüber hinaus" ist Maës Debütroman.
Sonja M. Schultz ist Autorin, Filmjournalistin und Filmwissenschaftlerin. Sie promovierte mit "Der Nationalsozialismus im Film. Von TRIUMPH DES WILLENS bis INGLOURIOUS BASTERDS".
Eisenwerda, 1982. Jo ist vierzehn, steht kurz vor der Jugendweihe, der fürchterlich biedere Rock liegt schon bereit. Da fällt ihr das Foto einer jungen Londonerin in die Hände, das sie elektrisiert: Lederjacke, zerrissene Strumpfhose, wirre Frisur. Für Jo macht plötzlich alles Sinn. Sie färbt sich die Haare knallgrün – von nun an ist sie Punk. Sie gründet eine Band, verliebt sich in Ratte, die rasend schnell Schlagzeug spielt, und verbringt die Nächte Pogo tanzend im Pressluftschuppen. Doch von dieser Freiheit fühlen sich die Autoritäten bedroht. Bald gerät Jo ins Visier der Stasi. Es folgen Schikanen, Verhaftungen, Gewalt ... Mit rotzigem Sound und kraftvollen Bildern erzählt »Mauerpogo« von Freundschaft, Wut und Rebellion. Eine Geschichte mit der Wucht eines Punkakkords.
Das Kulturfestival wird durch die Sparkassenstiftung, den Landschaftsverband Osnabrücker Land und die Stadt Osnabrück unterstützt.
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