In 7 Tagen

Bunbury

Auf einen Blick

Oscar Wilde ist weniger der Dichter des Jugendstils als vielmehr der mögliche Popularisator der „Ästhetischen Bewegung“, der alles in seinem Leben der Kunst unterordnete, in den Ateliers der Präraffaeliten ein- und ausging und der sich zeitlebens in einer Art Hassliebe zu dem Maler Whistler über Wortklaubereien ausließ, die oftmals in Plagiaten endeten. Wildes früher Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“, seine zauberhaften Märchen, seine verstörende „Salome“ (übrigens in französischer Sprache, wenngleich er sowohl sprachlich als auch historisch Griechisch über alles liebte) sind in diesem Kunststil gehalten. So wanderte ein mitgebrachter Hirtenteppich zeitlebens von Wohnung zu Wohnung. Seine Schauspiele und späteren Komödien sind stark mit Paradoxien gepfeffert, denen er zuweilen, wie in seiner Komödie BUNBURY (1895), eine rasche Wendung gab, als ob er sich über seine Vorbilder, die er sämtlich erlebt und studiert hatte, lustig machen wollte. Hierbei nahm er sich selbst davon nicht aus und setzte sich mit Algernon Moncrieff ein Denkmal (wenngleich er Autobiografien hasste!). Sein Erfolg war sowohl literarisch als auch gesellschaftlich unbestritten. Er war quasi der Inbegriff eines Dandys; so sagte er einmal: „Mein Talent stecke ich in meine Stücke, mein Genie hebe ich mir für mein Leben auf“. Seine extravaganten Auftritte waren Stadtgespräch. Auch meinte er schon früh: „Wenn schon nicht berühmt, dann wenigsten berüchtigt“. Bis dann allerdings jene Explosion erfolgte, die die ganze Szenerie um ihn herum verwandelte: vielleicht der skandalöseste Strafprozess, der jemals geführt wurde, gewiss aber der ekelhafteste. Was der ehrgeizige Staatsanwalt – übrigens ein früherer Studienkollege Wildes – damit erreichte, hatte nichts mehr mit dem „Vergehen“ Wildes einerseits und dem echten Verbrechen eines homosexuellen Kupplers andererseits zu tun, der unglaublicher Weise neben Wilde auf der Anklagebank saß. Es war kaltblütiger Mord, worauf der Staatsanwalt aus war, eine Justizorgie, an die keine sexuelle Orgie, die Wilde je erlebt haben mag, in moralischer Zweideutigkeit heranreichen konnte. Dieser Staatsanwalt, der sich vermutlich an dem einstigen Oxford-Studenten und ehemaligen Kommilitonen rächen wollte, wirkt auf den heutigen Leser als der weitaus Unanständigste im ganzen Gerichtssaal. Zwei Jahre Zuchthaus für Oscar Wilde, so lautete das unglaubliche Urteil. Londoner Bürger führten vor dem Gerichtsgebäude Freudentänze auf. >Nie mehr sollte dieser Mann überhaupt noch in zivilisierter menschlicher Gesellschaft geduldet werden!< Und da saß in der vordersten Reihe des Gerichtssaals der eigentliche Täter, der zynische Lord Alfred Douglas mit dem mokanten Lächeln, den Wilde zärtlich „Bosie“ nannte und der nicht angeklagt war, weil niemand gewagt hätte, gegen ihn eine Anschuldigung zu erheben. Nach Jahrzehnten sollte dieser um viele Jahre gealterte Lord als Anhänger Hitlers und der „britischen faschistischen Gruppe“ enden. Er hatte Wilde, den er angeblich so sehr vergötterte, aber gnadenlos ausbeutete, aus einer Art höllischer Amüsiersucht in den Prozess getrieben; augenscheinlich aus Hass gegen seinen eigenen Vater, der die Beiden unerbittlich wegen angeblich homosexueller Umtriebe verfolgte. Es bleibt ein Rätsel, weshalb es Oscar Wilde – dieser einst so stolze Ire von brillantem Geist – dutzendfach gewarnt, unter anderem von André Gide selbst, und mit der bis zur letzten Stunde vor seiner Verhaftung offenen Möglichkeit, nach Frankreich zu fliehen, bis zum vollständigen Debakel kommen ließ. Der junge Hofmannsthal, spätere Librettist von Richard Strauß - letzterer hat Wildes „Salome“ vertont (die Wilde als Stück eigens für die befreundete Sarah Bernhardt geschrieben, die diese aber infolge einer Zensur nie gespielt hat) - meinte in einem frühen Essay „…es war amor fati – der finstere Abgrund zog Wilde unwiderstehlich an. Er hatte so oft und so anschaulich den Weg in die Selbstzerstörung gezeichnet, dass etwas in ihm ihn jetzt zwanghaft trieb, diesen Weg auch selbst zu gehen…“. Die Londoner Theater – die Wildes Stücke mit großem Erfolg spielten (beispielsweise LADY WINDERMERES FÄCHER, EINE FRAU OHNE BEDEUTUNG, EIN IDEALER GATTE und auch die soeben erschienene Komödie BUNBURY – setzten seine Werke vom Spielplan ab; seine Verleger lieferten seine Bücher nicht aus. Es sah alles nach einem totalen Boykott aus. Doch ein deutscher Verlag in Minden/Westfalen veröffentlichte seine Arbeiten: der junge Insel-Verlag gab sie in Luxusausgaben heraus; so auch „Salome“ mit sämtlichen stückbezogenen Illustrationen seines Freundes Aubrey Beardsley, der sich allerdings nach dem Prozess von ihm lossagte, wie übrigens auch seine Frau und seine beiden Söhne, die andere Familiennamen annahmen. Oscar Wilde, der nach seiner Gefangenschaft nie mehr ein Bühnenwerk schrieb – er verarbeitete lediglich als Gedicht das grausam Erlebte in der „Zuchthausballade von Reading“ und mit „De Profundis“ seine rückblickende Verbitterung – starb armselig, das heißt von allen Freunden verlassen, in einem Pariser Hotel. „Ich sterbe, wie ich gelebt habe, über meine Verhältnisse“, sollen seine letzten Worte gewesen sein. Seinem treuen Freund Ross – der sich bis zum Schluss liebevoll um ihn kümmerte und dem er seine Komödie BUNBURY widmete – sagte er einmal: „Ich kann wohl schreiben, habe aber die Freude daran verloren. Man kann auf zweierlei Art kundtun, dass man meine Stücke nicht mag: Entweder man äußert sein Mißfallen, oder aber man lobt Earnest“. Unbestritten ist BUNBURY Wildes literarischer Höhepunkt und weit mehr als ein studentischer Ulk. BUNBURY oder WIE WICHTIG ES IST, ERNST ZU SEIN ist somit Wildes letztes Bühnenwerk, das er im Alter von 40 Jahren schrieb. Die inhaltliche Philosophie erklärte er Ross einmal auf seine Weise, „daß man alles Triviale mit großem Ernst und alles Ernste mit schrankenloser und kunstvoller Trivialität behandeln sollte“.

Wie fürchterlich wäre die Welt, wenn das Theater plötzlich der Kunst den Rücken kehren und sich mit dem Leben beschäftigen würde. Oscar Wilde

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